Romantasy: Darum wird das Genre so geliebt (und was es damit auf sich hat!)
Romantasy hat alle verzaubert und ist das Hit-Genre der Stunde.
Demnächst wird der Hashtag #romantasy bei TikTok die Milliarde überschreiten - was ziemlich gut zeigt, wie populär diese Bücher mittlerweile geworden sind.
Also gucken wir uns mal an, warum dieses Genre alle so mitreißt. (Mich auch!)
Inhalt: Alles über Romantasy
Was ist Romantasy?
Romantasy ist ein Buch-Genre: Es bezeichnet einen Roman als Hybrid zwischen “Fantasy” und “Romance”. Im Vergleich zu klassischen Fantasy-Büchern ist das Genre oft weiblich und es herrscht eine Anziehungskraft zwischen Charakteren, von denen mindestens einer magische Kräfte hat.
Die Bücher spielen in Fantasy-Welten, es gibt also oft Feen, Einhörner, Drachen, Kobolde oder ähnliche Wesen - meist aus der sogenannten High Fantasy.
Und, ganz wichtig: Es geht auch viel um “spice”, den die TikToker auch “smut” nennen - also explizite sexuelle Szenen, Liebesdramen und mehr.
Innerhalb der Romantasy haben sich um diese Liebesgeschichten eigene Begriffe herausgebildet, wie zum Beispiel der Book Boyfriend (wobei es den auch bei “normaler” Romance oder in anderen Genres gibt) oder der sogenannte Shadow Daddy.
Was ist der Unterschied zwischen “Fantasy Romance” und “Romantic Fantasy”?
Im deutschsprachigen Raum wird tatsächlich Romantasy oft einfach für beides verwendet, quasi als Überbegriff. In der englischsprachigen Bücherwelt wird das etwas strenger getrennt.
Im Prinzip geht es bei den beiden Begriffen vor allem darum, was überwiegt:
Fantasy Romance: Hier steht die Liebesgeschichte im Vordergrund, es ist also vor allem ein Romance-Buch - aber eben mit Fantasy-Setting oder Elementen. Zu den allerwichtigsten Elementen im Bereich Romance gehört typischerweise das Happy End, also dass sich die Liebenden am Ende finden und zusammenkommen.
Romantische Fantasy: Hier ist der “Kern” ein Fantasy-Roman, aber ein signifikanter Unter-Plot (Subplot genannt) ist eine Romanze. Das heißt aber, dass es auch andere große Handlungsstränge gibt, die eben nicht von diesen sich verliebenden Figuren gesteuert sind.
Streng genommen müsste man sich also bei jedem Buch angucken, was jetzt genau überwiegt. Macht aber keiner - und auch wenn es im englischsprachigen Raum ein bisschen strenger definiert wird, sind es eigentlich eher Autoren oder kritische Buchblogger, die über die Einteilung streiten.
Wenn es allerdings um die Erwartungen der “normalen” Leser geht und nicht das drin steht, was drauf zu lesen ist (zum Beispiel wird eine Art epische Fantasy erwartet und dann kommt vor allem eine Liebesgeschichte), dann sind die Leute enttäuscht.
Welche Tropes und Sub-Plots sind bei Romantasy besonders beliebt?
Der allerklassischste Buch-Trope bei Romantasy ist ganz klar “enemies to lovers”. Das bedeutet, dass sich die Hauptperson und ihr “love interest”, wie es auf Englisch heißt, zunächst feindlich gegenüberstehen.
(Hier findest du eine Übersicht von BookTok-Abkürzungen.)
Aber das ist nicht das einzige - sondern meist verhindern deutlich größere Mächte ihre Liebe, oder sie wird auf oft heftigste Weise auf die Probe gestellt.
Was sind die bekanntesten Romantasy-Autorinnen?
Bekannte Autorinnen im Romantasy-Genre sind Rebecca Yarros (Fourth Wing), Sarah J. Maas (ACOTAR, A Court of Thorns and Roses, das auf Deutsch “Das Reich der Sieben Höfe” heißt), Marie Lu, Lauren Roberts (Powerless), Jennifer L. Armentrout oder Tracy Wolff.
Wieso wurde Romantasy so beliebt?
Fantasy ist an sich nichts Neues.
Allerdings gab es schon immer “Wellen der Popularität” - allen voraus Harry Potter, Twilight oder die Tribute von Panem.
Vielleicht ist dir aber aufgefallen, dass Romantasy vor allem in den letzten Jahren stark in so ungefähr allen Buchläden angekommen ist.
Und es gibt ziemlich viele Thesen, warum Moment sie gerade jetzt so durch die Decke gegangen ist.
Einer breiten Öffentlichkeit ist das krasse Interesse tatsächlich auch vor allem in den letzten Jahren, das heißt 2022 bis 2025 bewusst geworden - zuallerletzt Anfang 2025, als der neue Roman der dritte Band der Forth Wing Serie von Rebecca Yarros aus herauskam.
Plötzlich merkten auch die letzten Mainstream-Medien, dass dort eine riesengroße Welle in Gange war - und fangen jetzt an, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Das ist vor allem auch bei der Leipziger Buchmesse zu sehen, wo der Fantasybereich gemäß einer Pressemeldung jetzt noch weiter ausgebaut wurde.
Okay, aber warum ist Romantasy denn jetzt so gehypt?
Einen großen Anteil der Popularität hat auf jeden Fall TikTok beziehungsweise Instagram zu verantworten, denn spätestens in der Coronazeit wurden extrem viele Tipps auf BookTok geteilt.
Die gesamte BookTok Community ist gefühlt zu einer großen Familie zusammengewachsen, wo es natürlich einzelne Strömungen gibt, aber Romantasy ist eindeutig einer der allergrößten unter ihnen.
Dort wurden dann nicht nur die Throne of Glass oder auch ACOTAR (Deutsch: Das Reich der sieben Höfe) Serien bejubelt, sondern eben auch Bücher wie die von Rebecca Yarros, Jennifer L. Armontraut und vielen anderen.
Wenn man sich durchliest, was andere analysieren, dann geht es bei Romantasy ganz oft auf die die extrem gelungene Kombination von Eskapismus (das heißt der Welt entfliehen zu können) und starken weiblichen Hauptpersonen hervorgehoben. Das bedeutet, dass es darum meistens sehr toughe Frauencharaktere geht. Auch wenn die Handlungen meist in traditionell geprägten Welten stattfinden (es gibt sogar den trope: “woman in a man’s world”), so wiederholt sich das Thema von Training, Ermächtigung, Anteilnahme an Macht.
Romancy und Fantasy alleine sind auch schon Mega-Kategorien
Fantasy und Romance gehören seit jeher zu zwei der aller beliebtesten Genres in der Literatur.
Je nachdem, welche Statistik man sich anguckt, ist Romance unangefochten auf Platz eins und Fantasy auf Platz zwei. Das bedeutet, Romantasy nimmt die ersten beiden topplatzierten Genres direkt in einem Schwung mit und kann dadurch beide Zilegruppen (zumindest theoretisch) erreichen.
Denn nicht alle Romance-Leserinnen lesen natürlich Fantasy und umgekehrt lesen, aber Romantasy bietet zumindest für beide einen Anknüpfungspunkt.
Außerdem hat Romantasy tatsächlich auch den Blick, was innerhalb Fantasy passiert (oder idealerweise passieren sollte), stark verändert. Die expliziten Szenen sind zum Beispiel früher nicht immer unbedingt in Fantasybüchern vorgekommen - vor allem nicht aus der Perspektive weiblicher Charaktere. Denn traditionellerweise sind in der epischen Fantasy mehr männliche Autoren veröffentlicht gewesen.
Durch den “Romance”-Teil an Romantasy kommen jetzt natürlich auch die romantischen Szenen dazu, die in der “klassischen” Fantasy zwar meist da waren, aber oft nicht denselben Platz bekommen haben.
Das übrigens wird bei manchen Lesern, die sehr gerne “Epische Fantasy” lesen, bemängelt: Dass es inzwischen bei den Verlagen einen zu großen Fokus auf Romantasy gäbe. (Dazu gibt es erstaunlich viele Youtube-Videos. Die Kommentare sind aber tatsächlich ganz cool, denn alle sagen sinngemäß: “Easy, es ist doch Platz für alle Subgenres, let them be!”).
Und Romantasy ist nun mal ein sehr beliebtes Subgenre der Fantasy - beziehungsweise von Romance. Kein Wunder, dass da viele mitgehen wollen.
Es poppen auch immer neue Verlage auf, die sich ganz allein dem Thema Romantasy widmen.
In den USA wurde zum Beispiel gerade erst der Verlag Bramble als Imprint gegründet und hat sogar einen deutschen Ableger als Kooperationsverlag mit einem bestehenden deutschen Verlag im Schlepptau. So können noch schneller vielversprechende Romantasy-Werke auf den deutschen Markt gebracht werden.
In Deutschland selbst gibt es zum Beispiel den Verlag Von Morgen, der sich auch auf Romantasy, vor allem für Erwachsene spezialisiert hat - aber auch Verlage wie Piper oder Fischer (Tor) haben inzwischen Romance- und Romantasy oder Fantasy-Programme.
Kritik an Romantasy
Es gibt einige Youtube- oder Social Media Videos, in denen betrauert wird, dass Romantasy die “wahre Fantasy” verdrängen würde. Epische Geschichten wie Der Herr der Ringe werden hier als Beispiel, quasi “Gegenstück” gezeigt.
Allerdings ist an den Kommentaren zu sehen, dass es eine “Keiner hat Recht” Diskussion ist - denn einem populären Genre die Schuld zu geben, dass das ältere (weiter gefasste) Genre durch ein anderes Subgenre verdrängt wird, ist meiner Meinung nach falsch.
Vielmehr kommen bei der Fantasy immer neue Bereiche dazu - so wie auch Urban Fantasy und so weiter alles Bereiche sind, die (auch wieder meine Meinung!) super friedlich mit High Fantasy und klassischen Epen koexistieren können.
Tatsächlich war das Genre der Fantasy immer schon in reger Bewegung. Auch Der Herr der Ringe selbst hatte mit dem Film zum Beispiel ein Revival, das Buch war angeblich nicht durchgehend populär, - und später hatte Twilight mit der für damalige Verhältnisse recht neuen Geschichte einen Vampirgeschichten-Trend ausgelöst. Und jetzt eben Romantasy, was seit 2022-2024 so richtig “eingeschlagen” hat.
Plot-driven vs. character-driven: Romantasy hat nun mal immer ein Romance-Element
Leser epischer High Fantasy kritisieren, dass viele Romantasy-Bücher zu “charaktergesteuert” seien und nicht genug Plot und “epischere Geschichten” hätten. Das heißt, wenn du bis dato vor allem eher epische High Fantasy gelesen hast, musst du dir natürlich bewusst sein, dass Romantasy-Bücher anders sind.
Aber auch hier gibt es Entwicklungen und Bücher, die all das ziemlich kunstvoll verbinden und BEIDES können. Und ehrlich gesagt finde ich es persönlich extrem spannend, was in diesem Bereich auch noch in ganz andere Richtungen gedacht werden kann. Denn alle Subgenres, die bisher im Romance- oder eben im Fantasy-Bereich “für sich” schon existiert haben, können natürlich jetzt auch als Romantasy eingewebt werden:
Viktorianische Romantasy
Urban Romantasy
Viking Romantasy
Und die Liste ist quasi endlos!
Spice: Wie viel ist die richtige Menge?
“Spice”, also explizite Szenen, sind in vielen Romantasy-Büchern vorhanden - manchmal auch sehr viele davon. Manche bejubeln das total. Andere sagen: “Oh no, das ist mir zu viel!”
Das heißt, es gibt auch hier natürlich unterschiedliche Geschmäcker.
Interessanterweise sind manche Autoren oder Verlage dazu übergegangen, ganz klar zu klassifizieren, wie hoch das sogenannte Spice Level ist. Das wird dann zum Beispiel mit Peperoni-Emojis gekennzeichnet. Oder man sagt direkt: “Romantasy-Bücher ab 18”, das ist eine ganz eigene Kategorie geworden, genau wie “Dark Romantasy” (wobei da nicht unbedingt die Romanze düster ist, sondern oft einfach das Setting).
Und, Fun Fact: Videos, die Bücher ohne Spice oder mit extra viel Spice nach Skalen beurteilen, erfreuen sich extremer Popularität bei Youtube. :-)
Du siehst also, Romantasy passt einfach super in den Zeitgeist und hat vor allem für jeden was dabei - und es gibt immer mehr Subgenres.
Wenn du auf dem neusten Stand bleiben willst, hol dir meinen Literaturletter, wo ich regelmäßig über meine eigene Reise in der Romantasy berichte:
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