Worldbuilding: So werden Welten in Büchern gebaut

Worldbuilding: So werden Welten in Büchern gebaut
 

Heute gucken wir uns an, was es mit dem Thema Worldbuilding auf sich hat. 

Das ist, wenn ein ganz eigene Welt innerhalb eines fiktionalen Werkes (oder innerhalb einer Serie) gebaut wird - sei es ein Buch oder ein Film.

Wobei es dabei ganz genau drauf ankommt, das liest du hier.

Inhalt: Was ist Worldbuilding?

    Was ist Worldbuilding?

    Worldbuilding bedeutet, eine fiktive Welt zu erschaffen - meist redet man davon im Gaming oder in der Literatur. (In diesem Artikel rede ich vor allem über Worldbuilding in Büchern.)

    Das heißt, man überlegt sich so ziemlich alles vom Zeitraum bis hin zur Sprache, den Figuren und der Umgebung. 

    Ein gewisser Grad an Worldbuilding ist bei allen Büchern nötig - aber vor allem in der Fantasy nimmt das natürlich ziemlich heftige Züge an. Sprachen, Kreaturen - alles muss erstmal erfunden und gruppiert werden. 

    Worldbuilding heißt also einmal, sich alles zu überlegen.

    Gleichzeitig bezeichnet das Wort aber auch den Prozess, diese Welt in einer Geschichte “herüberzubringen”.

    Wenn Amazon-Rezensionen von “schlechtem Worldbuilding” reden, meinen sie auch oft, dass die Welt schlecht vermittelt wurde - nicht unbedingt schlecht erfunden. 

    Sowohl ellenlange Beschreibungen der Welt als auch viel zu wenig davon werden kritisiert. Typischerweise sind Fantasy-Leser eher solche, die epische Beschreibungen der Welt zu schätzen wissen, aber auch hier gehen die Meinungen extrem auseinander. 


    Worauf kommt es beim World Building an?

    Normalerweise gibt es insgesamt genau drei Sachen, die du dir anschauen musst, wenn du eine glaubhafte und mitreißende Welten erschaffen möchte, egal ob du jetzt einen Fantasy-Roman oder ein anderes Epos konzipierst:

    • #1: Die Welt muss durchdacht und mit den Genre-Erwartungen entsprechenden Details aufgebaut werden. Das heißt, du musst dir interne Notizen zu allen möglichen Themen machen, zu denen wir gleich kommen. 

    • #2: Die Handlung der Geschichte selbst, die du im Zusammenhang mit dem Worldbuilding schreibst, muss konsistent sein und zum Setting passen. Es dürfen keine Logikfehler oder unterschiedlichen Angaben vorkommen. Viele Autoren führen deswegen komplette Dokumente, in denen sie alle Infos zu ihrer erfundenen Welt sammeln.

    • Und #3: Das Ganze muss organisch, also möglichst natürlich, in die Geschichte eingewoben sein. Nicht zu schnell - aber auch nicht zu langsam. Typischerweise wird besonders kritisiert, wenn Autoren es nicht schaffen, die Welt, die sie sich vielleicht in allen Details ausgemalt haben, glaubhaft rüberzubringen. Das kann bedeuten, das beste World Building bringt nichts, wenn das nicht ordentlich in die Geschichte verarbeitet wird.


    Wie schnell passiert Worldbuilding in Romanen und wie viel muss neben der Handlung “erklärt” werden?

    Je nach Genre gehen die Meinungen dazu extrem auseinander. Fantasy-Leser sind traditionell wie gesagt extrem an Details interessiert und wollen die magischen Systeme einer Welt genau verstehen. Gleichzeitig dürfen die Spannung und die Handlung darunter natürlich nicht leiden.

    Andere Genres sind eher weniger intensiv im Worldbuilding-Bereich unterwegs, das heißt, die Leser wollen eben nicht, dass erst ellenlang die schöne Kuppe des sandverwehten Hügels beschrieben wird. Sondern es soll was geschehen.

    Wie alles bei Kunst ist das natürlich Geschmackssache, aber wie stark das Worldbuilding in den jeweiligen Texten stattfindet, ist schon sehr Genre-geprägt. 


    Über welche Bereiche machen sich Autoren im Worldbuilding Gedanken?

    Sprache

    Eine super wichtige Sache ist, welche Sprache eigentlich im Buch gesprochen wird. Das heißt nicht nur wortwörtlich die Gesamt-Sprache. Denn normalerweise ist es so, dass du in einem deutschsprachigen Roman auch auf Deutsch schreiben solltest, aber es geht auch darum, welche Wörter die Leute benutzen. 

    Es geht neben der Hauptsprache also vor allem um die Nuancen und Sprechweisen:

    • Redet man in einer altertümlichen Sprache?

    • Gibt es (Teenager-)Slang oder Sprichworte?

    • Wie drücken sich die Figuren aus?

    • Gibt es vielleicht einen Dialekt?

    • Oder eben eine ganz andere Sprache wie in manchen Fantasyroman? 

    Es gibt vor allem im Fantasy-Bereich einzelne Autoren, die komplette Sprachen analysieren, erstellen und eigene Wörter dafür entwickeln. Ein Beispiel dafür aus der jüngeren Vergangenheit ist das Buch When the Moon hatched von Sarah A Parker. Aber auch ältere Bücher, die als Klassiker gelten, so wie der Herr der Ringe von Tolkien, sind Beispiele für Bücher, in denen eine eigene Sprache oder eben teilweise auch mehrere gesprochen werden.

    Der wichtigste Punkt ist, sich ganz genau Gedanken zu machen, in welchem sprachlichen Umfeld sich die Figuren bewegen und ob natürlich auch einzelne Figuren ganz anders sprechen. Das bedeutet nicht nur, welche Sprache in der ganzen Welt gesprochen wird, sondern ob zum Beispiel unterschiedliche Familien oder Kulturen anders reden als andere. 

    Geografie mit Flora und Fauna

    Wie sieht die Welt aus, in der sich die Figuren bewegen und die Handlung passiert?

    Grundsätzlich muss natürlich nicht jede einzelne Pflanze und jeder Berg und Felsen beschrieben werden, aber es hilft natürlich, wenn man sich zumindest in gehoben Skizzen einen Plan macht, was denn eigentlich in der Welt so wächst, wie das Wetter ist, ob es Berge gibt oder ob die Geschichte in einem sandigen Wüstenland spielt. 

    Vor allem, wenn es sehr viel körperliche Themen geht wie Kämpfe, Kriege oder auch andere Themen, die sehr auf den Fantasy Roman aufgegriffen werden, helfen Karten, damit sich der Leser besser orientieren kann. 

    Diese Geografie ist beim World Building sehr unterschiedlich ausgeprägt. Das heißt, jeder Autor muss selbst entscheiden, wie stark die Welt ausgearbeitet wird und wie weit vor allem die Karte auch geht. 

    Kreaturen

    Welche Arten von Kreaturen bevölkern die Welt, in der das Buch spielt?

    Ob das jetzt Kobolde sind, Hexen, Drachen, Einhörner oder etwas ganz anderes, vielleicht sogar Wesen, die noch keiner vorher gesehen hat: Beim Worldbuilding ist es natürlich komplett offen, was dort passiert und welche Tiere oder Figuren es gbt. 

    Das bedeutet aber auch, dass die Kreaturen, vor allem solche, die jetzt nicht jeder kennt, ganz genau beschrieben und analysiert werden müssen, bevor sie in die Geschichte gesetzt werden.

    • Welche sind unsterblich?

    • Wie lange leben sie typischerweise?

    • Und auch hier gilt: Gibt es unterschiedliche Sprachen, Gebräuche, Lebensweisen?

    • Wie stehen die einzelnen Kreaturen zueinander? 

    Je mehr verschiedene Kreaturen vorhanden sind, desto mehr “interkulturelle Spezialitäten” gibt es natürlich auch - also die Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen, und was passiert, wenn sie aufeinander treffen.

    Magische Gesetze

    Je nachdem, in welchem Genre man unterwegs ist, müssen magische Gesetze geklärt werden. 

    Wir reden da natürlich vor allem von Fantasy - wo es nochmal die Unterteilung in die sogenannte High Fantasy oder Low Fantasy gibt. 

    Das bedeutet, dass wir davon reden, wie stark die Welt von unserer eigenen abweicht. 

    (Wenn dich das Thema High Fantasy interessiert, gibt es ja eine komplette Beschreibung dazu.)

    Die kurze Variante davon ist allerdings, dass bei High Fantasy komplett neue Welten erschaffen werden, wogegen bei Low Fantasy normalerweise nur einzelne magische Elemente in unserer Welt platziert sind. Das bedeutet, je größer die Magie, desto mehr Worldbuilding ist auch angesagt. 

    Es gibt typischerweise verschiedene Arten, diese Magie zu entwickeln und ein sehr bekanntes Beispiel ist die Theorie von Brandon Sanderson zu den Magie-Regeln

    Grundsätzlich muss der Leser natürlich verstehen, wie Magie entsteht, wo sie angewendet werden kann und was zu erwarten ist, also welche Art von Problemen mit Magie gelöst werden können. Denn das kann sonst dazu führen, dass es den berüchtigten Deus Ex Machina Effekt gibt, was einfach bedeutet, dass am Ende etwas total Unglaubwürdiges aus der Luft gegriffenes Magisches passiert, das alle Probleme in Null Komma nichts löst - und die meisten Leser dann ein bisschen enttäuscht dastehen lässt. 

    Um dem vorzubeuegn, sollte man sich im Vornherein auf das magische Element konzentrieren und analysieren, wie weit Probleme mit Magie gelöst werden können oder ob es eben nur ein Zusatzelement ist. Wie gesagt, kannst du das alles in Ruhe nachlesen in Brand und Sanderssons ausführlichem Artikel auf Englisch (“Laws of Magic”).

    Geschichte und vergangene Ereignisse

    Gerade wenn wir in der epischen Fantasy oder auch High Fantasy unterwegs sind, ist es natürlich extrem relevant, was in der Vergangenheit eigentlich passiert ist.

    Du musst also entscheiden, inwiefern und vor allem wie weit in der Geschichte Du zurückgehen willst, verschiedene Geschehnisse oder zum Beispiel auch Fäden, Intrigen und politische Konfrontation erklären zu können.

    Das bedeutet: Vergangene Ereignisse, die wichtig für die Gegenwart sind oder die auch die Welt geprägt haben, in der die Geschichte spielt, sind extrem wichtig. Wie weit man dabei allerdings zurückgeht, ist dem Autoren überlassen. 

    Wie geht man beim Worldbuilding vor?

    Die Ansätze, wie man eine komplett eigene Welt aufbaut, sind natürlich je nach Autor oder Autorin komplett verschieden. Es gibt aber gewisse Methoden, die man meistens den zwei Kernmeothoden top down oder bottom up zuordnet - und die natürlich auch auf alle möglichen Weisen kombiniert werden können.

    Beim Bottom up Ansatz überlegst du dir zuerst einen kleinen Teil, wie zum Beispiel eine Figur oder eine besondere Pflanze, eine Liebesgeschichte oder zum Beispiel den kleinen Funken einer Idee, der die Geschichte in Gang setzt. Hinterher wird nach und nach die Welt drumherum gebaut, bis sich ein Ganzes entwickelt.

    Im Top Down Ansatz dagegen überlegst du dir erst die richtig großen Themen, wie zum Beispiel, wer die Kreaturen sind, was die Schöpfungsgeschichte einer Welt war, was für Kontinente es gibt und so weiter. 

    Normalerweise kommt es sehr darauf an, wie viele Kontinente, Kilometer oder natürlich auch Zeitfenster eine Geschichte umfasst, denn für kleinere Geschichten, die gar nicht so episch sind, ist ein exzessives Worldbuilding natürlich übertrieben.

    Das bedeutet, normalerweise muss das Worldbuilding umso “größer” und ausführlicher ausfallen, je epischer die Geschichte angelegt ist.

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